KV Würzburg - Stadt

Bildunterschrift: In der Bildmitte von rechts unter anderem: Karen Heußner - stellvertretende Landrätin, Gerhard Zäh - Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V., Claudia Roth - Bundestagsvizepräsidentin, Kerstin Celina - MdL, Patrick Friedl - Stadtrat, Barbara Lehrieder - Fraktionsvorsitzende im Würzburg Stadtrat und Karin Miethaner-Vent - Stadträtin. Ganz rechts im Bild: Claudia Knoll - Geschäftsführerin der Landesgartenschau. [Foto: Josef Schmid]

Grüne aus Stadt und Land mit Claudia Roth auf der Landesgartenschau (LGS)

Eine Herzensangelegenheit seien die Kreisverbände Würzburg Stadt und Land der Grünen für sie, teilte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth schmunzelnd mit. Der Besuch der Landesgartenschau in Würzburg am Donnerstag war somit ein Termin, den sie besonders gerne wahrgenommen hat. Zusammen mit etwa 20 Grünen-Mitgliedern aus Stadt und Land schlenderte die Bundestagsabgeordnete knapp zwei Stunden über das Gelände. Begleitet wurde Claudia Roth unter anderem von der Landtagsabgeordneten Kerstin Celina, dem Stadtrat Patrick Friedl, sowie der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtrat Barbara Lehrieder und der stellvertretenden Landrätin Karen Heußner. Mit dabei waren außerdem der Vorsitzende der Bayerischen Landesgartenschau GmbH Roland Albert, der Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V. Gerhard Zäh und Vizepräsident Dietmar Lindner. Besonderer Dank galt Landesgartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll und den Mitarbeitern und Organisatorinnen der Landesgartenschau, die die Gruppe über das Gelände führten und auf alle Fragen gerne eingingen.

Patrick Friedl hieß den prominenten Gast herzlich willkommen. Seine Stadtratskollegin Barbara Lehrieder berichtete dann facettenreich von der Arbeit an der Planung eines komplett neuen Stadtteils: „Es ist großartig, wenn man von Beginn an in die Stadtteilplanung involviert ist und es freut mich natürlich sehr, dass auch nach der Landesgartenschau riesige Grün- und Parkflächen hier erhalten bleiben.“ Und die Landesgartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll ergänzte: „Die Grünflächen sind mindestens 30 Jahre zu erhalten. Das ist unsere Pflicht. Das ist für Landesgartenschau-Veranstalter so vorgeschrieben.“ Ein besonderer Schwerpunkt liege daher auch auf Nachhaltigkeit, Klima und Klimaschutz. Sieben Stationen machten die Auswirkungen des Klimawandels für jeden sichtbar. „Wir zeigen aber auch innovative Ideen und Forschungen, um das Klima speziell in Städten zu verbessern“, so Knoll weiter. Claudia Roth zeigte sich begeistert vom Themenschwerpunkt Klima. „Der Klimawandel ist bei uns angekommen und es ist unglaublich wichtig, endlich im großen Stil tätig zu werden“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin, die es kaum erwarten konnte, den Rundgang zu starten.

Constantin Römer, Projektleiter am Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern), erklärte zu Beginn die Klima-Forschungs-Station, die in Zusammenarbeit vom ZAE Bayern und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) betrieben wird. Hier erfährt man viel über die Machbarkeit und den Nutzen von sogenannten Klimafassaden, die energieeffiziente Fassadentechnologien mit Fassadenbegrünung vereinen. Diese Bauwerksbegrünung zog Claudia Roth sofort in ihren Bann. „Abgesehen von den mess- und spürbaren Effekten für besseres Stadtklima, die schon für sich alleine genommen großartig sind, sieht so eine Fassade einfach toll aus“, so Roth. Triste Gebäudeansichten gehörten so gleich mit der Vergangenheit an. „Die Forschung in diesem Bereich hängt in Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Speziell Asien leistet da momentan sehr viel und wir müssen hier dringend aufholen“, so Römer.

Besonders interessiert und beeindruckt zeigten sich die Besucher von den „sprechenden Bäumen“: fünf Bäume und ein Metallpfosten an verschiedenen Plätzen der Stadt wurden mit Sensoren und Messgeräten ausgestattet. Deren Daten laufen in der Klima-Forschungs-Station zusammen und zeigen eindrucksvoll, wie es dem Baum selbst geht, welche Effekte ein Baum auf das Klima haben kann und wie durch einen Baum auch der Mensch in seinem direkten Umfeld beeinflusst wird. Claudia Roth interessierte sich speziell für die vielfältigen Möglichkeiten zur internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit. „Es braucht Wissenschaftler für die Technik und Gärtner für das Wissen zu den Pflanzen, mit denen in diesem Bereich zu arbeiten ist“, sagte Römer. „Fördermittel sind hier sicher ein wesentliches Thema“, machte Roth klar und nannte auch gleich den zuständigen Minister: „Der Bundesinnenminister ist hier in der Verantwortung, denn sein Ministerium schließt das entsprechende Ressort Bau mit ein.“

Claudia Knoll ging anschließend kurz auf den Klimawandel und seine Folgen in Würzburg ein. „In den letzten Jahrzehnten verzeichneten wir einen Temperaturanstieg von 2 Grad. Bis 2030 rechnen wir mit einer weiteren Erwärmung. Davon sind bereits jetzt erste Weinsorten betroffen“, sagte sie. Für Claudia Roth steht fest: „Solche Daten, wie wir sie aus Projekten wie den „sprechenden Bäumen“ gewinnen, müssen im Städtebau und in der Stadtplanung unbedingt berücksichtigt werden.“

Es wurde ebenso deutlich, dass beim Kampf gegen Klimawandel und Feinstaubbelastung nicht nur auf Technik gesetzt werden darf. Die Natur selbst, Pflanzen und die Begrünung von Städten sind ein essentieller Faktor, der verstärkt genutzt und eingesetzt werden muss. Es ist nun noch einmal an Constantin Römer, etwas Beeindruckendes vorzustellen: Passive Wärmegewinnung. „Wir haben die Technik, die im Boden gespeicherte Wärme zu nutzen, um die Pflanzen von Klimafassaden vor kühlen Temperaturen und Frost zu schützen und zwar völlig ohne zusätzlichen Stromverbrauch. Die Fassade wird so gleichzeitig ebenfalls beheizt“, führt Römer aus. Für Claudia Roth stehen spätestens hier zwei Dinge fest: „Nächstes Jahr komme ich wieder, um mich ganz umfassend über all das zu informieren, was hier entwickelt wird. Das ist ungemein spannend und wichtig. Außerdem gehören diese Ideen und Projekte ins EU-Parlament und es ist zu klären, welche Fördertöpfe anzuzapfen sind, um solche großartigen und innovativen Projekte langfristig zu finanzieren“, sagte Roth.

Claudia Knoll gab außerdem einen kurzen Überblick über die jahrelange Arbeit, die in der Planung und Verwirklichung des Landesgartenschau-Projektes stecken. „Es begann schon 2008 mit dem Abzug der US-Armee. Zuerst mussten die Altlasten wie zum Beispiel Munition und Kerosin beseitigt werden, ehe 2012 ein Wettbewerb stattfinden konnte, der in Zusammenarbeit mit den Bürgern Klarheit darüber bringen sollte, was sich die zukünftig etwa 5000 hier lebenden Menschen für ihren Stadtteil wünschen“, berichtete Knoll. „Parks, Grünflächen und Sportgelegenheiten standen ganz oben auf der Liste“, so Knoll weiter. Riesige versiegelte Flächen wurden wieder geöffnet. Eine Frischluftschneise führt direkt in die Stadt. „Und das zeigt schon messbaren Erfolg. Die Werte bezüglich der Frischluftzufuhr ins Würzburger Zentrum sind vom dunkelroten Farbreich inzwischen in den gelben gelangt“, beschrieb Knoll die Wirkung bis in den Talkessel Würzburgs.

Der Rundgang führte dann weiter zur Station des Bund Naturschutz. Thomas Birkholz berichtete dort kurz über die Artenvielfalt und deren Gefährdung, sowohl in Bezug auf die Tier-, als auch die Pflanzenwelt durch den Menschen und die Klimaerhitzung. Im Bereich für den Weinbau wurde ebenfalls deutlich, dass sich nicht nur die Weinsorten, sondern auch die Anbauweise wegen des Klimawandels verändert. Bodennahe Pflanzen zwischen den einzelnen Rebstöcken verhindern die allzu schnelle Austrocknung des Bodens und bieten Insekten Lebensraum.

Am Ende der Stippvisite verweilten die Besucher im Bereich der Gartenbaugruppe Würzburg. Das Motto hier: „Die Stadt ist unser Garten“. Claudia Roth ließ sich gerne begeistern von Elmar Müller, Vorstand der Stadtgärtner „Urban Gardening“ Gruppe, der vom naturnahen Gärtnern als Alternative zu Rosengärten und getrimmten Rasenflächen berichtete.

Der Rundgang ging noch in den sanierten Tower und zum Ausklang in den „foodcourt“. Am Ende waren Claudia Roth und Gäste beeindruckt und fanden viele lobende Worte für diese Landesgartenschau, die sich klar einem, vielleicht DEM Thema verschrieben hat: Klimaschutz und Klima-Anpassung. Geschäftsführerin Knoll freut sich über die durchaus polarisierende Landesgartenschau, gelte es doch, „anzuregen zu Diskussionen und Denkanstöße zu geben“.

Bildunterschrift: In der Bildmitte von rechts unter anderem: Karen Heußner - stellvertretende Landrätin, Gerhard Zäh - Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V., Claudia Roth - Bundestagsvizepräsidentin, Kerstin Celina - MdL, Patrick Friedl - Stadtrat, Barbara Lehrieder - Fraktionsvorsitzende im Würzburg Stadtrat und Karin Miethaner-Vent - Stadträtin. Ganz rechts im Bild: Claudia Knoll - Geschäftsführerin der Landesgartenschau. [Foto: Josef Schmid]


Patrick Friedl

Klimaschutz in die Verfassung

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