Wü kümmert sich – Eine solidarische Stadt entsteht nicht von selbst.

Pressemitteilung

Unter dem Titel „WÜ kümmert sich“ lud der Kreisverband Würzburg Stadt von BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN zu einer sozialpolitischen Veranstaltung ein. Gemeinsam mit Vertreter*innen aus der Praxis diskutierten interessierte Bürgerinnen, wie Würzburg eine Stadt sein kann, die sich kümmert.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Stadträtin und Sozialarbeiterin Silke Trost, die immer wieder
den Bogen zwischen politischer Verantwortung und der sozialen Arbeit vor Ort schlug. Dabei brachte
sie ihre langjährige Erfahrung aus der Sozialarbeit ein und machte deutlich, wie eng
kommunalpolitische Entscheidungen mit den Lebensrealitäten der Menschen in Würzburg verknüpft
sind. Gleichzeitig betonte sie die Verantwortung der Kommunalpolitik, gute Rahmenbedingungen für
soziale Arbeit zu schaffen und langfristig abzusichern.

Familien, Kinder und Jugendliche stehen heute vor großen Herausforderungen: verlässliche und
bedarfsgerechte Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, zunehmende
psychische Belastungen sowie echte Mitbestimmungs- und Teilhabemöglichkeiten. Gleichzeitig
betrifft soziale Teilhabe nicht nur Familien, sondern alle Menschen in unserer Stadt. Würzburg soll ein
Ort sein, an dem sich alle gesehen, unterstützt und beteiligt fühlen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wo Würzburg als Stadt Aufmerksamkeit schenkt
und wo sie noch fehlt. „Kümmern heißt, sich Menschen und ihren Lebensrealitäten anzunehmen.

Politik kann und muss dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, so der Tenor der Diskussion.
Dabei wurde auch auf die kommunalen Pflichtaufgaben hingewiesen, etwa in der Kinder- und
Jugendhilfe sowie auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Impulse aus der Praxis.

Barbara Noll (EUTB) machte deutlich, wie zentral das Thema barrierefreies Wohnen und barrierefreie
Mobilität für soziale Teilhabe ist. Sie wies auf steigende psychische Belastungen, die große
Herausforderung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie auf die unsichere Finanzierung
sozialer Angebote hin. Kritisch angemerkt wurde insbesondere die projektbezogene Finanzierung
sozialer Arbeit, die nachhaltige Strukturen erschwert. Das Recht auf ergänzende und unabhängige
Teilhabeleistungen müsse langfristig abgesichert werden.

Christian Gündling, Leiter der Kita an der Löwenbrücke, berichtete aus dem Alltag der frühkindlichen
Bildung. Die Kita wurde mit städtischen Mitteln frisch ausgebaut, betreut 64 Kinder und ist voll
ausgelastet, mit einer Warteliste von rund 30 Kindern. Während sich die Situation im
Kindergartenbereich etwas entspanne, bleibe der Krippenbereich angespannt. Hohe Ausfallzeiten, ein
nicht bedarfsgerechter Personalschlüssel im Bayerischen Kitagesetz und massive Schwierigkeiten bei
der Nachbesetzung führten zu einer enormen Belastung der Beschäftigten. Auch das Kita-Portal „Little
Bird“ wurde diskutiert: hilfreich durch elternseitige Dateneingabe, aber mit Verbesserungsbedarf bei
der Nutzerfreundlichkeit.

Frauke Adams gab Einblicke in die stationäre und teilstationäre Jugendhilfe. Die Angebote reichen von
Wohngruppen über Verselbständigung in eigenen Wohnungen bis hin zu Schulbetreuung und
Familienarbeit, sogar mit Auslandsprojekten, etwa in Finnland. Ihr Leitsatz: „Wir geben niemanden
auf.“ Die Anfragen lägen inzwischen im vierstelligen Bereich. Positiv hervorgehoben wurde, dass der
Kinderschutz in Würzburg gut funktioniert und früher hingeschaut wird. Gleichzeitig nehmen
psychische Erkrankungen zu, und der Fachkräftemangel, insbesondere im Stadt-Land-Gefälle – bleibt
eine große Herausforderung.

In der abschließenden Diskussion wurden zentrale „Hausaufgaben“ für die nächsten sechs Jahrebenannt: Der Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen, insbesondere an Gymnasien und Realschulen,
die Gestaltung von Räumlichkeiten und Pausenhöfen im Ganztagsbereich sowie eine verlässliche
Ferienbetreuung. Jugendliche brauchen außerdem Orte zum Treffen ohne Konsumzwang. Gefordert
wurde eine deutliche Ausweitung des Qualitätsbonus in Kitas, mehr Offenheit für
Quereinsteiger*innen, auch in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg, sowie barrierefreie
Busse und Straßenbahnen im ÖPNV. Ebenso wichtig sind Vertrauens- und Begegnungsräume für
Menschen mit Beeinträchtigungen und ein starkes Quartiersmanagement, um Barrieren zwischen
unterschiedlichen Gruppen abzubauen, Einsamkeit entgegenzuwirken und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt zu stärken.

Die Veranstaltung machte deutlich: Eine solidarische Stadt entsteht nicht von selbst. Sie braucht
politische Entscheidungen, ausreichende Finanzierung und den festen Willen, sich zu kümmern.