Unterfranken als Klimahotspot und die Frage, wie wir unser Wasser schützen: Darüber diskutierten auf Einladung der Grünen-Kreisverbands Würzburg Stadt am 2. Advent im Mozart-Areal die Fachleute Patrick Friedl (Mitglied des Bayerischen Landtags), Andrea Angenvoort-Baier (Wasser am Limit), Edith Sachse (Landwirtin, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und Alfred Lanfervoß (Wasser-Experte). Molina Klinger (Stadträtin) moderierte den Abend und ein Grußwort sprach Sven Winzenhörlein (Landratskandidat). Die Zweite Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová konnte wegen dienstlicher Verpflichtungen aufgrund des Ölteppichs auf dem Main nicht teilnehmen.
Vor einem engagierten Publikum – bunt gemischt aus Stadt und Landkreis und etliche mit Blick auf die Genehmigung des Gipsbergwerks und die sich weiter verzögernde geplante Erweiterung des Wasserschutzgebiets „Zeller Quellen“ besorgt – wurde deutlich, wie dringend und komplex die Herausforderung ist. Aus dem Landtag berichtete MdL Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung seiner Fraktion, dass mit dem Thema Wasser vielfach verantwortungslos umgegangen werde, so auch bei der jüngst von den Regierungsfraktionen von CSU und Freien Wählern im Landtag durchgepeitschten Wassergesetznovelle. Als zentrale Leitlinie formulierte er, die natürliche Infiltration flächendeckend zu fördern und Entwässerung zu reduzieren – „mehr Wasser rein, weniger Wasser raus. Dazu steht nichts im neuen Wassergesetz.“ Zugleich mahnte er an, die Region müsse sich auf deutlich steigende Temperaturen einstellen: „Nicht alle Arten können dem Standhalten. Deshalb ist Anpassungspolitik so wichtig.“
Andrea Angenvoort-Baier von Wasser am Limit zeigte die Notwendigkeit des örtlichen Engagements auf. Schonende Wassernutzung, Schutz der Bäche und Flüsse vor Schmutzfrachten und die Bedeutung des Ausbaus von Trennkanalsystemen machte sie anschaulich. Wasser-Experte Alfred Lanfervoß erläuterte die Idee einer „Schwammregion“, in der Böden, Landschaft und Siedlungen Regen speichern, langsam abgeben und so Grundwasser, Ökosysteme und Siedlungsräume stabilisieren – von Entsiegelung über Versickerungsflächen bis hin zu kluger Flächensteuerung. Ebenso ging er auf die geplante Errichtung eines Gipsbergwerkes durch die Firma Knauf Gips KG in Altertheim ein. Er erläuterte, welche Risiken für die Trinkwassergewinnung bestehen und dass man nicht von einem Restrisiko sprechen könne, solange nicht einmal das tatsächliche Risiko bekannt sei. Mit Berücksichtigung aller fachlichen und rechtlichen Aspekte müsse man zu der Erkenntnis kommen, dass das Bergwerk nicht raumverträglich ist und folglich auch nicht genehmigungsfähig sein kann.
Aus der landwirtschaftlichen Praxis plädierte Edith Sachse für mehr Vegetation, Hecken und struktur-reiche Säume, um Erosion zu vermeiden, Flächen zu kühlen und Wasser in der Landschaft zu halten.
Die Resonanz aus dem Saal war entsprechend lebhaft: Neben technischen wurden auch rechtliche Fragen gestellt; die Besucher*innen unterstrichen die Aktualität und Dringlichkeit des Themas – ohne Wasser geht es nicht. Zum Abschluss hob Patrick Friedl die enge Zusammenarbeit von Stadt und Land als entscheidend hervor und kritisierte die Handhabung durch die Bayerische Staatsregierung als unzureichend: „Es fehlt an klarer Verantwortungsübernahme. Echte Verantwortung sieht anders aus.“
Molina Klinger ermutigte das Publikum, selbst aktiv zu werden, Verantwortung einzufordern und politische Vertreter*innen direkt anzuschreiben, um dem Wasserschutz Nachdruck zu verleihen.
Die Veranstaltung zeigte, wie über kommunale Grenzen hinweg Kompetenzen gebündelt und Allianzen für den Wasserschutz geschmiedet werden können. Genau dieses Zusammenspiel von Stadt und Land macht das Format zu einem Highlight der regionalen Debatte.



