Grüne zeigen Wege zu wirksamem Hochwasserschutz am Heigelsbach auf
Als der Starkregen vor fünf Jahren über Reichenberg und die umliegenden Gemeinden niederging, wurde vielen vor Augen geführt, wie schnell aus einem Bach eine Bedrohung werden kann. Auch 2016 und 2024 wurden Reichenberg von Sturzfluten heimgesucht. Über die verehrenden Auswirkungen von Starkregen und Sturzfluten diskutierten über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer knapp zweistündigen Veranstaltung zur Situation am Heigelsbach in Heidingsfeld. Im Mittelpunkt stand dabei eine Erkenntnis: Sturzfluten lassen sich nicht allein mit höheren Dämmen oder größeren Rückhaltebecken beherrschen, entscheidend ist, das Wasser möglichst dort zurückzuhalten, wo es fällt: auf den Wiesen, Feldern und in umliegenden Wäldern.
Vergangenen Samstag versammelten sich Grünen-Mitglieder und zahlreiche Interessierte in Heidingsfeld zur Bachbegehung am Heigelsbach, einer Veranstaltung des Ortsverbands Würzburg-Süd und des Arbeitskreises Ökologie der Würzburger Grünen, sowie der Grünen-Stadtratsfraktion, organisiert von Maja Hereth im Rahmen des universitären Programmes „Nachhaltigkeit und globale Verantwortung“ (GSIK).
Die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die vorgibt, dass „Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser nach Möglichkeit bis 2015 – spätestens bis 2027 – den guten Zustand erreichen“ müssen. „Das muss endlich konsequent umgesetzt werden“, forderte Karin Miethaner-Vent, ehemalige Stadträtin und Vorstandsmitglied bei Bund Naturschutz in Bayern e.V. Bayern ist davon noch viel zu weit entfernt: Nur rund 21 Prozent der Gewässer befinden sich derzeit in einem guten ökologischen Zustand. Etwa 79 Prozent der Gewässer befinden sich in einem mäßigen bis schlechten Zustand.
Dass sich die Folgen jahrzehntelanger Eingriffe heute besonders bei Starkregen zeigen, wurde am Beispiel des Heigelsbachs deutlich. Der nur 1,8 Kilometer lange Bach, gespeist aus dem Fuchsstädter und dem Reichenberger Bach, fließt längst nicht mehr in seinem ursprünglichen Bett. „Über Jahrhunderte sind Flüsse und Bäche“ so Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung der Landtags-Grünen und Mitglied des Stadtrats, „in ein Betonkorsett gesteckt worden.“
Die Konsequenzen sind gravierend: „Wenn oben eingeengt wird, kommt es unten doppelt raus“, brachte es Stadträtin und Leiterin des AK Ökologie Molina Klingler auf den Punkt.“ Wo Gewässer begradigt und eingeengt werden, fließt das Wasser schneller ab – mit entsprechend höheren Pegeln flussabwärts. Hinzu kommt ein Problem, das oft unterschätzt werde: Nicht allein versiegelte Flächen verschärfen die Situation. Auch ausgetrocknete Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Im Einzugsgebiet des Heigelsbachs könne heute deutlich weniger Niederschlag versickern als früher.“
Patrick Friedl: „Während viele Böden in der Region nur noch etwa 30 Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen könnten, gebe es vereinzelt Flächen mit einer Aufnahmefähigkeit von bis zu 100 Litern. Dorthin müsse sich die Entwicklung wieder bewegen.“
Vor diesem Hintergrund arbeitet die Stadt Würzburg an der Umsetzung des Sturzflutrisikomanagementkonzept, gefördert vom Freistaat Bayern. Auf Basis von Geländemodellen und Starkregen-Szenarien wurden detaillierte Gefahrenkarten für das gesamte Stadtgebiet erarbeitet, um Bürger und Verwaltung zielgerichtet zu schützen.
Bestehende Schutzbauwerke stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Die vorhandenen Hochwasserrückhaltebecken seien bei einem sogenannten HQ100-Ereignis bereits nach rund 14 Minuten gefüllt, wurde erläutert. Ein HQ100 beschreibt ein Hochwasser, das statistisch einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten wird. „Hundertjährliche Hochwasser entwickeln sich nach Meinungen aus der Wissenschaft aktuell in Richtung zwanzigjährliche Hochwasser“, so Patrick Friedl. „Die fortschreitende Klimaerhitzung verändert die bisherigen Berechnungsgrundlagen.“
Beim Blick auf die Lösungen herrschte weitgehend Einigkeit. Zentral sei der sogenannte Rückhalt in der Fläche. „Da, wo der Regen herunterkommt, muss er auch gesammelt werden“, stellt Sandra Vorlová, Klimabürgermeisterin der Stadt Würzburg fest. Insgesamt 13 Rückhaltebecken sind Teil der Überlegungen. Ebenso wichtig sind Mulden, naturnahe Gewässer und Böden, die Wasser wieder besser aufnehmen können.
Vorsorge sei langfristig deutlich günstiger als die Beseitigung von Schäden. Allein die Gemeinde Reichenberg verzeichnete bei den letzten Hochwassern 2024 Schäden von von etwa 700.000 Euro. (https://www.br.de/nachrichten/bayern/starkregen-setzt-reichenberg-unter-wasser-ortskern-gesperrt,UKSnIUV )
Zum Abschluss machten die Organisatoren deutlich, dass Schutz vor Sturzfluten und Hochwassern ganzheitlich gedacht werden müssen. Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, ist herzlich zur Beteiligung am Arbeitskreis Ökologie eingeladen.