Unser Politischer Aschermittwoch stand ganz im Zeichen von Zukunft, Verantwortung und Zusammenhalt – mit Humor, aber vor allem mit klarer Haltung. Auf dem Podium: Dr. Sandra Vorlova (2. Bürgermeisterin und Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl), Lars Mantel und Lilli Grosch (Grüne Jugend), Jessica Hecht (Kreisrätin und Kreisvorsitzende Würzburg-Land), Oberbürgermeister Martin Heilig, Lisa Badum (MdB) sowie Sven Winzenhörlein (Landratskandidat und Fraktionsvorsitzender im Kreistag).
Martin Heilig: Brücken bauen statt Leute versenken
Der Politische Aschermittwoch ist eigentlich der Tag für harte Worte und große Pointen. „Ein bisschen Lust darauf hätte ich schon“, gab unser Oberbürgermeister zu – aber: Seine Aufgabe sei es, Brücken zu bauen, nicht einzureißen. Doch auf die Frage, warum er niemanden rhetorisch zerlegen will, beantwortet er damit, dass man sich am nächsten Morgen wieder im Rathaus begegnen würde. „Das ist wie beim Familienfest: Man überlebt es nur, wenn man sich danach noch in die Augen schauen kann.“
Deutlich wurde er mit Blick auf angekündigte Aktionen einer rechtsextremen Splittergruppe: sie seien vielleicht keine große politische Kraft – aber ein Warnsignal dafür, wie schnell Misstrauen organisiert werden kann. Extremisten wollten nicht gestalten, sondern beschädigen. Deshalb gelte:
„Gegen die Feinde der Demokratie hilft keine Empörung. Was wirklich hilft, ist Haltung.“
Ja, wir werden weiter streiten – über Prioritäten, Geld und Tempo. Das ist Demokratie. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass daraus Zweifel an demokratischen Verfahren entstehen. Und wer Würzburgs Vielfalt angreift, bekommt von Bayerns ersten Grünen Oberbürgermeister eine klare Antwort: Nicht in dieser Stadt!
Zum Schluss sein Blick nach vorn: Würzburg habe große Aufgaben – aber auch große Chancen. Exzellenz-Universität, starke Uniklinik, leistungsfähiges Handwerk. Jetzt heiße es: Ärmel hochkrempeln, Kräfte bündeln, Zukunft gestalten, denn „Brücken halten länger als Schlagzeilen.“
Jessica Hecht: Landkreis-Wahlkampf und klare Kante
Jessica Hecht, Fraktionsvorsitzende im Kreistag und Spitzenkandidatin eröffnete mit einem klassischen Aschermittwochsmoment: Das Aschekreuz stehe für Buße und Demut – „bei den Grünen sind wir da nicht in der Pflicht… das wäre eher Sache der CSU.“ Mit einem Augenzwinkern wandte sie sich an die Grünen aus der Stadt: „Ich beneide euch um euren Wahlkampf!“
Nicht nur wegen Ressourcen oder kreativer Kampagnen – sondern weil im Landkreis gleichzeitig 22 Listen, acht Bürgermeisterkandidaturen und die Landratswahl laufen. Ihr humorvoller Wunsch: Dafür dürfe es ruhig mal Applaus aus der Stadt geben.
Zwischen den amüsanten Wahlkampfgeschichten wurde der Ernst schnell klar: Spätestens bei Kandidaturen von rechts außen vergeht einem das Lachen. Humor kann helfen – aber die Lage ist ernst. Jessica Hechts zentrale Botschaft für den Abend: Wenn Demokrat*innen keine tragfähigen Kompromisse finden, profitieren die Lautesten von rechts außen.
Inhaltlich wurde sie konkret: Unterstützung für Sven Winzenhörlein als Landrat, ein echtes Voranbringen eines Frauenhauses im Landkreis und konsequenter Trinkwasserschutz statt Verzögerungspolitik. Auch beim Haushalt machte sie klar: Konsolidierung darf keine soziale Kälte bedeuten.
Landratskandidat Sven Winzenhörlein: Stadt und Land – Hand in Hand
Sven Winzenhörlein knüpfte daran an: Aschermittwoch sei der Moment, in dem aus Worten Verantwortung wird. Und Verantwortung bedeute vor allem: Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis auf Augenhöhe. Mit fränkischer Bildsprache brachte er es auf den Punkt:
Stadt und Land gehören zusammen „wie Main und Frankenwein, wie Bratwurst und Bier“ – und ja, auch „wie Siegfried und Joy“. Sein Ziel: weniger Gegeneinander, mehr Zusammenarbeit. Weniger Zuständigkeitsgerangel, mehr gemeinsame Lösungen.
Keine Zauberei – aber manchmal fast magisch, wenn Politik plötzlich funktioniert. Winzenhörlein will konkret drei Kernthemen voranbringen. Solide Finanzen, die durch Prioritäten setzen, gezieltem investieren und dem Abbau von Doppelstrukturen entstehen können. Außerdem wolle er die Main-Klinik in Ochsenfurt sichern durch Kooperationen und regionaler Vernetzung sowie weiterhin den Trinkwasserschutz in der Region voranbringen. Mit einer Spitze an den CSU Landrat Thomas Eberth und deren Wahlwerbung mit Wassereimern betonte er: „Kein Eiertanz – sonst ist am Ende alles im Eimer.“
2. Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlova: Schluss mit dem Dauerfasching
Dr. Sandra Vorlova spannte den größeren politischen Bogen: Der politische Aschermittwoch sei eigentlich das Ende der Narrenfreiheit. Doch mit Blick auf die Weltpolitik wirke es oft so, als sei der Aschermittwoch ausgefallen – und der Dauerfasching gehe weiter, mit sehr realen Konsequenzen. Denn, wer Klimaschutz infrage stelle, stelle Zukunftsfähigkeit infrage.
Der zentrale Punkt der Spitzenkandidatin für die Stadtratswahl sind, dass Klimaschutz, Mobilität und Anpassung vor Ort passieren – in den Kommunen. Genau dort komme aber auch die Unsicherheit an, wenn Regeln wackeln oder Förderungen fehlen. Deshalb brauche es Planungssicherheit, verlässliche Finanzierungen und echte Konnexität.
Beim Thema Wasser wurde sie wie auch ihre Vorredner*innen sehr deutlich: Wasserknappheit ist real, Nutzungskonflikte nehmen zu. Ein klares Nein formulierte sie zum Gipsabbau im Trinkwassergebiet der Zeller Quellen.
Ihr Fazit für Würzburg: Mit Oberbürgermeister Martin Heilig und einer starken grünen Stadtratsfraktion ist die Stadt auf Zukunftskurs. „Wir sind die Würzburg-Partei“ – mit Wü-Gefühl und klarem Blick nach vorn.
Grüne Jugend: Hoffnung ist lauter als Hetze
Lilli Grosch und Lars Mantel, Spitzenkandidatinnen der GRÜNEN JUGEND Würzburg sprachen über den rauer werdenden Ton in der Gesellschaft: alt gegen jung, Stadt gegen Land – als wäre Spaltung ein politisches Programm. Doch das ist sie nicht.
Die beiden kommen mit einer klaren Botschaft: Demokratie bedeutet Freiheit – aber diese Freiheit braucht stabile Lebensgrundlagen. Wer sie nicht sichert, öffnet Populismus die Tür. Sie verbanden das mit sozialer Realität: Eine Zukunft, die bezahlbar ist, ist keine Luxusforderung – sondern Grundlage demokratischer Stabilität. Ein starkes Bild aus dem Wahlkampf bleibe hängen: „Jedes Gespräch am Stand ist ein Stein in der Brandmauer.“
Bundestagsabgeordnete Lisa Badum: Berliner Einblicke, Würzburger Leichtigkeit
Lisa Badum brachte Bundespolitik und lokale Perspektive zusammen – mit Humor, persönlichen Einblicken und einer Prise Würzburger Lebensgefühl. Ihr Wunsch: etwas von dieser Energie mit nach Berlin zu nehmen!
Der politische Aschermittwoch war ein voller Erfolg und wir blicken mit Optimismus und Wü-Gefühl auf die Kommunalwahl am 8. März!
Foto: Molina Klingler
v.l.n.r. Oberbürgermeister Martin Heilig, Kreisvorsitzende Dr. Simone Artz, Lilli Grosch, Lisa Badum, Lars Mantel, 2. Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová, Sven Winzenhörlein, Jessica Hecht, Kreosvorsitzender Daniel Salzinger









Fotos: Patrick Friedl