Pressemitteilung
Zunehmende Extremwetterereignisse, längere Hitzeperioden und trockene Sommer stellen
Städte und Regionen vor neue Herausforderungen. Unter dem Titel „Wü schützt das Klima“ hat
der Grüne Kreisverband Würzburg-Stadt gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus
Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft darüber diskutiert, wie Würzburg und der
unterfränkische Raum klimaresilient gestaltet werden können. Darüber sprachen auf dem
Podium Dr. Sandra Vorlová, 2. Bürgermeisterin der Stadt Würzburg und Leiterin des Umweltund
Klimareferats (Moderation), Patrick Friedl, Stadtrat und Mitglied des Bayerischen
Landtags, Prof. Dr. Heiko Päth von der Universität Würzburg sowie Barbara Röde-Oltmanns
vom Bündnis Zukunftsklima.
Der Klimatologe Heiko Päth eröffnete die Veranstaltung mit einer wissenschaftlichen
Einordnung der regionalen Klimaentwicklung. Seine Analyse zeigt: Der unterfränkische Raum
erwärmt sich überdurchschnittlich stark im Vergleich zum Bundesdurchschnitt. „Wir
beobachten bereits heute: Es wird immer wärmer und gleichzeitig trockener“, erklärte Päth.
Besonders problematisch seien künftig deutlich trockenere Sommer, die das
Wassermanagement vor große Herausforderungen stellen.
Eine Prognose verdeutlicht die Dimension: Bei ungebremstem Klimawandel könnte sich die
Zahl der Hitzetage in Unterfranken um den Faktor sechs erhöhen. Auch sogenannte
Tropennächte – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt – könnten um rund
20 Tage pro Jahr zunehmen. Diese gelten als besonders belastend für den menschlichen
Körper und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.
Ein wichtiger Ansatz für klimaangepasste Stadtentwicklung in der Zukunft sei die Nutzung
digitaler Modelle. Päth stellte dazu die Idee eines „Smart Twin“ für Würzburg vor. Mithilfe
umfassender Messungen des Stadtklimas könnten darin unterschiedliche Maßnahmen
simuliert werden, etwa Begrünung, Entsiegelung oder Wasserflächen aber auch geplante
bauliche Maßnahmen. So ließen sich ihre klimatischen Wirkungen bereits im Voraus
abschätzen und Planungen deutlich effizienter gestalten. Allerdings ist die Umsetzung des
sog. Smart Twins sehr anspruchsvoll, weswegen man leider noch auf die Anwendung warten
müsse.
Der Landtagsabgeordnete Patrick Friedl betonte die politische Dimension der
Klimaanpassung. Städte müssten sich sowohl gegen Hitze als auch gegen Starkregen
wappnen. „Wir brauchen die starken Schultern des Staates für strukturelle Anpassungen“, sagte
Friedl. Kommunen bräuchten bessere Werkzeuge, um Hitzeentwicklungen zu messen und
Maßnahmen gezielt umzusetzen.
Ein zentraler Ansatz sei der Umbau von Städten zu sogenannten Schwammstädten. Dabei
werde Regenwasser nicht schnell über die Kanalisation abgeführt, sondern in Böden,
Grünflächen und Speicherstrukturen zurückgehalten. „Wenn Starkregen zu schnell in die
Kommunen fließt, entstehen Sturzfluten mit enormer Zerstörungskraft“, so Friedl. Gleichzeitig
könne gespeichertes Wasser später zur Bewässerung genutzt werden. Entscheidend sei daher
die Frage: Wie halten wir Wasser möglichst lange in der Landschaft?
Auch regionalpolitisch sei Wasser ein zunehmend umkämpftes Gut. Friedl verwies unter
anderem auf Konflikte um Wasserressourcen in der Region sowie auf Risiken für bestehende
Versorgungsquellen wie die Zeller Quellen. Ziel müsse sein, Verteilungskämpfe um Wasser zu
vermeiden und nachhaltige Lösungen zu schaffen. Wasser müsse künftig vor allem zeitlich
statt räumlich umverteilt werden. Statt es über große Entfernungen zu transportieren, gehe es
darum, Niederschläge besser zu speichern und in trockenen Perioden verfügbar zu machen.
Beispiele seien Zisternenprojekte wie im Ringpark oder Konzepte der Schwammstadt.
Ergänzend könne ein Bodenfeuchte-Monitoring helfen, frühzeitig zu erkennen, wann
Stadtbäume unter Hitzestress leiden und gezielt bewässert werden müssen.
Auch die Rolle der Zivilgesellschaft stand im Fokus. Barbara Röde-Oltmanns stellte das
Bündnis Zukunftsklima vor, in dem sich inzwischen 27 Organisationen zusammengeschlossen
haben. Ziel ist es, Wissen über Klimawandel und Klimaschutz in alle Generationen zu tragen.
Projekte wie der „Climate Hub“ oder die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft sollen
Bürgerinnen und Bürger stärker in die Transformation einbinden. Darüber hinaus sprach sie
sich für eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung aus, etwa durch institutionalisierte
Bürgerräte. Bildung spiele ebenfalls eine zentrale Rolle: Gerade Kinder und Jugendliche
müssen frühzeitig für Klima- und Umweltschutz sensibilisiert werden. Als praktisches Beispiel
für klimaangepasste Stadtentwicklung wurde auch die „Zukunftsallee“ vorgestellt. Bei diesem
Projekt werden ausgewählte Straßenzüge in Würzburg vorübergehend mit mobilem Grün
ausgestattet, um anschaulich zu zeigen, wie sich Begrünung auf das Stadtklima auswirken
kann. So werden klimatische Unterschiede direkt erlebbar und es wird sichtbar, welchen
Beitrag mehr Grün in unseren Straßen für eine hitzeresiliente Stadt leisten kann.
Einigkeit bestand bei allen Beteiligten darin, dass die Herausforderungen schnell wachsen –
und Lösungen ebenso schnell entwickelt werden müssen. „Wir müssen Wissen generieren, um
smarte Lösungen für Wasser und Klimaanpassung zu finden“, betonte Friedl. Gleichzeitig
brauche es ausreichende Finanzierung und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Denn
bei Maßnahmen zur Klimaanpassung gelte: Fehler könne man sich angesichts der Dynamik
des Klimawandels kaum leisten.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Klimaschutz und Klimaanpassung in Würzburg längst
zu zentralen Zukunftsfragen geworden sind – von der Stadtplanung über die
Wasserversorgung bis hin zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
„Wü schützt das Klima“: Expert*innen diskutieren über Hitze, Wasser und klimaresiliente Städte